Wie Präventionsarbeit junge Menschen vor extremistischen Haltungen schützen kann: Jahrestreffen mit den kommunalen Integrationsakteuren

Welche Erfahrungen aus der Präventionsarbeit helfen, insbesondere junge Menschen vor antidemokratischen Einstellungen zu bewahren – und damit das Zusammenleben in Niedersachsen zu stärken? Diese Frage stand im Mittelpunkt des diesjährigen Austauschs, zu dem der Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Deniz Kurku, seine kommunalen Kolleginnen und Kollegen traditionell einlädt.

Das Haus der Jugend in Hannover bot dafür nicht nur mit Blick auf das Thema den idealen Rahmen: Rund 70 kommunale Integrationsbeauftragte sowie Vertreterinnen und Vertreter der Koordinierungsstellen Migration und Teilhabe kamen dort zusammen, um sich über aktuelle Ansätze auszutauschen. Bedauerlicherweise musste Deniz Kurku seine Teilnahme an der etablierten Veranstaltung krankheitsbedingt kurzfristig absagen.

Ein zentraler Impuls kam von Thomas Müller aus der Referatsgruppe „Prävention und Opferschutz“ im Niedersächsischen Justizministerium. Er präsentierte wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu Radikalisierungsprozessen und modernen Präventionsstrategien.
Müller zeigte auf, wie Radikalisierung vor allem bei jungen Menschen entsteht – und welche gesellschaftlichen, sozialen und individuellen Risikofaktoren sie begünstigen können. Ziel wirksamer Präventionsarbeit sei es, Jugendlichen eine stabile Identität zu ermöglichen, Vorurteile abzubauen, Empathie zu fördern und das Bewusstsein für demokratische Werte wie Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit zu stärken. Frühe Ansätze seien dabei entscheidend: etwa Trainings zur Vorurteilsprävention, Empowerment-Angebote zur sozialen Integration oder Programme der Demokratiebildung.

Wie Prävention konkret aussehen kann, zeigte Andrea Streit vom Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Braunschweig. Sie berichtete über die Umsetzung des Programms CTC-RP („Communities That Care – Radikalisierungsprävention“), das an vier weiterführenden Schulen erprobt wurde. Dort wurden Befragungen durchgeführt und gezielte Maßnahmen zur Demokratieförderung entwickelt. Die vorgestellten Ergebnisse stießen auf großes Interesse: Die Teilnehmenden diskutierten – teils noch lange nach der Mittagspause – engagiert über die Übertragbarkeit dieser Erfahrungen auf die kommunale Praxis. Besonders deutlich wurde der Wunsch, Präventionsangebote weiter auszubauen und sie stärker an den Lebensrealitäten und Entwicklungsphasen junger Menschen auszurichten.

Am Nachmittag richtete sich der Blick auch auf andere drängende Themen in den Städten und Gemeinden. Nach wie vor erfordere es enorme Anstrengungen, junge Menschen zu erreichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Zudem belaste das zunehmend angespannte gesellschaftliche Klima, verbunden mit alltäglichen Erfahrungen von Rassismus, viele derjenigen, die sich tagtäglich für gelingende Integration einsetzen. Und nicht zuletzt bleibe die Aufgabe bestehen, mehr Diversität in den Verwaltungen auf kommunaler wie auf Landesebene zu fördern – eine Herausforderung, die weiterhin ganz oben auf der Agenda steht.

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